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Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, Wien, www.jmw.at, Judentum, Wien

„EINE WARNUNG AN UNS ALLE“

ZWISCHEN AKADEMISCHER FREIHEIT UND RADIKALEM EINFLUSS

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Uni-Proteste werden von Hamas-Aktivisten unterwandert. Im Bildmaterial rot eingekreist ist der Chef des verbotenen Samidoun Deutschland-Ablegers Said Abdulnasser vor der Humboldt Uni Berlin. Foto picture alliance/dpa | Soeren Stache

Antisemitismus stellt auch 2025 eine der größten Bedrohungen für das jüdische Leben dar. In der zivilisierten Welt sind alle herausgefordert, Hass und Hetze entgegenzutreten, denn eine Gesellschaft, in der kein jüdisches Leben möglich ist, ist keine freie Gesellschaft. Doch, eine Abnahme des Judenhasses ist weltweit nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, erfasst er immer wieder neue Segmente des gesellschaftlichen Lebens. Weshalb ist das so? Worin liegen die Ursachen?

 

Dramatische Lage in den USA     

In den USA brach die Antisemitismus-Flut unmittelbar nach dem 7. Oktober aus. Befeuert durch die Verbreitung extrem ideologischer und einseitiger Narrative an den Universitäten, die den Terror der Hamas und der Hisbollah verharmlosen, hat dort der offene Antisemitismus und Antizionismus ein beispielloses Ausmaß angenommen. „Obwohl sie ihre Standpunkte als moderat und als Verteidigung der akademischen Freiheit verteidigen, sind ihre Positionen weder das eine noch das andere und haben wenig mit dem Auftrag der Hochschulbildung zu tun, Wissen in einer Atmosphäre des Respekts und der Toleranz zu erforschen“, schreibt der amerikanische Journalist und Chefredakteur des jüdischen Nachrichtenportals „JNS“ Jonathan S. Tobin.

 

Finanzierung und pro-islamistischer

Einfluss Besonders die sogenannte „kritische Rassentheorie“ spielt dabei eine Rolle, die Juden und Israelis als „weiße Kolonialherren“ darstellt. Ein weiterer Faktor stellt die strukturelle Finanzierungspraxis vieler akademischer Einrichtungen dar: Geisteswissenschaftliche Fachbereiche oder die Abteilungen für Nahoststudien erhalten zum Beispiel große finanzielle Zuwendungen aus Katar, einem Land, das einerseits mit den USA verknüpft ist, andererseits aber auch enge Verbindungen zur Hamas und zum Iran pflegt. Schätzungen zufolge hat der Golfstaat bereits mehrere hundert Millionen Dollar in US-amerikanische akademische Einrichtungen investiert. Unterfinanzierte Hochschulen sind auf zusätzliche Einnahmen angewiesen, geraten jedoch zunehmend in das Dilemma, dem pro-islamistischen Einfluss ausgesetzt zu sein und sich im großen Stil zu Thinktanks der antizionistischen Agitation zu transformieren. Dadurch werden Debatten über den Nahost-Krieg und Israel immer einseitiger geführt. Jüdische Studentinnen und Studenten ­werden häufiger angefeindet als vor dem 7. Oktober, pro-israelische Wissenschaftler*innen erhalten weniger Forschungsaufträge oder werden erst gar nicht mehr angestellt. Echte Auseinandersetzungen und Debatten über den Nahost-Krieg oder Israel sind bereits rar.

 

Die finanziellen Zuwendungen fördern den zunehmenden pro-islamistischen Einfluss und ermöglichen zugleich, dass ausländische Studierende aus dem Nahen Osten eine Schlüsselrolle bei der Einschüchterung jüdischer Kommilitonen einnehmen.

 

Ein Phänomen, das in seiner Tragweite wenig erfasst wird, sind die Hintermänner diverser antisemitischer Kampagnen, die auf US-amerikanischen Campussen ihr Unwesen treiben. Bewusst sendet die Hamas „Studenten“ in die westliche Welt. Ihre Aufgabe ist es neben dem Studium auch „amerikanische Bemühungen zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu untergraben“, stellten Wissenschaftler des Projekts „Esther“ von „Heritage Foundation“ fest. „Unterstützt von Aktivisten und Geldgebern“, resümiert die Studie, versucht das globale Hamas Support Network (HSN), „ihre Ziele zu erreichen, indem sie unsere offene Gesellschaft ausnutzt, unser Bildungssystem korrumpiert und die amerikanischen Medien nutzt“.

 

„Zutiefst alarmierend“ bezeichnet Jonathan Greenblatt, CEO der Anti-Defamation League (ADL), den drastischen Anstieg des Judenhasses und fordert „mehr Bildung, zusätzliche Schutzmaßnahmen auf Social Media und neue Sicherheitsmaßnahmen gegen antisemitische Hasskriminalität“.

 

Datenanalysen und Grundlagenforschung

Datenanalysen, die durch Monitoring gesammelt werden und auch in die wissenschaftliche Forschung einfließen, bilden die Basis im Kampf gegen den Antisemitismus. So ergab eine ­Studie der US-amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) in 103 Staaten, dass 46 Prozent der 58.000 befragten Bewohner*­innen antisemitische Ansichten teilen. Dazu zählen Vorurteile wie etwa, Juden hätten zu viel Einfluss auf die Geschäftswelt oder kontrollierten Medien und Politiker*­innen. Ein gefährlicher Trend, der, so Marina Rosenberg, ADL-Vizepräsidentin für internationale Beziehungen, nicht nur eine Bedrohung für jüdische Gemeinschaften darstellt, sondern zugleich „eine Warnung an uns alle“ ist.

 

Besorgniserregend ist zudem, dass junge Altersgruppen offenbar besonders empfänglich für diese menschenverachtenden Ansichten sind. Verblendet durch die Propaganda der Hamas sowie rechts- und linksgerichteter politischer Gruppierungen machen sich viele junge Menschen den angeblichen palästinensischen Widerstand zu eigen, marschieren auf fragwürdigen Demonstrationen mit, auf denen weltweit Schlachtrufe wie „Kindermörder Israel“ oder „Yallah, Yallah, Intifada“ erschallen, die nichts weniger fordern als die Vernichtung des jüdischen Staates.

 

Das Problem ist in den USA erkannt. Präsident Donald Trump warnte Bildungseinrichtungen, die „die Ausbreitung von Antisemitismus zulassen oder sogar fördern“ alle staatlichen Mittel zu streichen und „ausländische Studenten“ abzuschieben, die sich für die Hamas engagieren.

 

Längst hat die antisemitische Welle auch den akademischen Hochschulbetrieb in Deutschland erfasst – nicht nur durch hitzige Debatten, sondern auch durch handgreifliche Auseinandersetzungen. In der Kunsthochschule Kassel zum Beispiel sollte vor Kurzem eine Studentin zwei Werke von Gastkünstlern in ihre Arbeit mit einbeziehen. Sie gab ihrem Werk den Titel „Aber es wird Widerstand geben“ und entschied sich für Skulpturen von Mohammad Zakaria, der in seinen Arbeiten bereits mehrfach Palästinenser als Freiheitskämpfer glorifizierte, die nur „aus Notwehr“ handelten.

 

Deutschland: Lagebild an den Universitäten spitzt sich zu

Scharfe Kritik hagelte es unter anderem vom hessischen Antisemitismusbeauftragten und dem „Bündnis gegen Antisemitismus Kassel“, das von der Hochschulleitung forderte „endlich eine klare Haltung gegen die israelfeindlichen und antisemitischen Umtriebe an der Universität Kassel einzunehmen.“

 

In Leipzig knickte die Universitätsleitung vor der Drohung BDS-naher studentischer Gruppen ein, die angekündigt ­hatten, den Vortrag des renommierten Historikers Benny Morris über den ersten arabisch-israelischen Krieg von 1948 zu stören. Vorsorglich lud die verantwortliche Fakultät den international bekannten Wissenschaftler wieder aus und kapitulierte damit vorauseilend vor den Randalierern    – ein erschreckendes Beispiel von mangelnder Zivilcourage.

 

Auch in Köln und vielen weiteren Universitäten fanden Anti-­Israel-Proteste vor den Universitätsarealen statt, während in Berlin Pro-Palästina-Aktivisten den Hof der Freien Universität (FU) besetzten. Dort skandierten sie Hassparolen gegen Israel und glorifizierten die Hamas. Studierende, die sich gegen diese Propagandaschau positionierten, wurden offen bedroht.

 

Besonders großes Aufsehen erregte der Fall des jüdischen Studenten Lahav Shapira, der von einem Kommilitonen brutal attackiert worden war. Shapira erlitt eine Mittelgesichtsfraktur und eine Hirnblutung. Sein Vergehen? Er hatte israelfeindliche Plakate entfernt und sich für das Existenzrecht des jüdischen Staates ausgesprochen. Vorangegangen war offenbar eine Aufforderung der Hochschulleitung an ihn und seine Mitstreiter selber aktiv zu werden. „Wir wurden vorgeschickt, weil die Uni sich offenbar nicht traut, sich darum zu kümmern“, sagte der verletzte Student, der schwere Vorwürfe gegen die Freie Universität erhebt. Auch im Nachgang blieb das Ergebnis ernüchternd. Die Universitätsleitung sprach keine Exmatrikulation des tätlichen Angreifer aus, der im 3. Semester Geschichte und Philosophie auf Lehramt studiert, sondern verbannte ihn lediglich für drei Monate vom Campus. Kurze Zeit später besetzten Demonstranten erneut Räumlichkeiten der FU, skandierten antisemitische Schlachtrufe und riefen zur Gewalt gegen Jüdinnen und Juden auf sowie zur Auslöschung des jüdischen Staates. Erst die Polizei beendete die nicht genehmigte Veranstaltung.  

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